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Die Idee einen kurzen Tagesausflug nach Polen zu machen, war eine recht spontane. Die Maschine, eine Cessna 172, war für den ganzen Tag reserviert und so galt es lediglich zu überlegen, welches unser Ziel wir für den nächsten Tag sein sollte. Da ein Flug ins Ausland immer etwas Besonderes ist und dieser nicht allzu lange dauern sollte (Startort war Schönhagen bei Berlin), fiel die Entscheidung kurzum auf einen Flug nach Poznan.

 

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Die Planung

Nach einigen Telefonaten am Abend zuvor, schauten wir uns zunächst die polnischen Plätze an, welche von Berlin aus in unter 1,5h mit einer Cessna 172 zu erreichen sind. Diese sind unter anderem Zielona Gora, Stettin und Poznan. Da wir nicht unbedingt einen Flug durch die gesamte Berlin CTR unternehmen wollten, flog Stettin schon mal von der Liste. So blieben Zielona Gora und Poznan übrig. Beide Plätze sind in etwa in einer Stunde bzw. 1:15h zu erreichen. Wir beschäftigten uns anschließend mit dem Flugplatz von Zielona Gora etwas genauer und stellten fest, dass an diesem etwas undurchsichtige Öffnungszeiten, die per NOTAM wie folgt veröffentlicht waren, herrschten:

 

AD HOURS OF SER:

MON   0000-1300 2100-2359

TUE   0000-1300 2100-2359

WED   0000-1300

THU   0500-1300 2100-2359

FRI   0000-1300 2100-2359

SAT   0000-0700

SUN   2100-2359. 01 AUG 21:07 2017 UNTIL 26 SEP 23:59 2017 ESTIMATED. CREATED:

01 AUG 21:07 2017

 

Um nicht Gefahr zu laufen, beim Rückflug vor verschlossenen Türen zu stehen, entschlossen wir uns letztendlich, den Flug nach Poznan (dt. Posen) (EPPO) durchzuführen und gingen an die Planung. Für Flüge ins Ausland empfiehlt es sich, zunächst die jeweilige AIP zur Hand zu nehmen, die Karten des Platzes zu studieren, auf eventuelle Besonderheiten zu untersuchen und sich sowohl über die VFR-Meldepunkte als auch über generelle Abweichungen von den ICAO-Standards zu informieren.
So gibt es auch in Polen ein paar Eigenheiten. So ist beispielsweise vor dem Melden der Flughöhe grundsätzlich das Wort „Altitude“ vor dem eigentlichen Zahlenwert zu melden. Dies trifft natürlich für ganz Polen zu.
Sich auch auf der Homepage des Flughafens über anfallende Gebühren zu informieren, kann nie schaden. Für unseren Flug nach Poznan hatten wir ca. 50 € an Gebühren einkalkuliert. Ob das auch so zutreffend war, dazu später mehr.

Ein Flugplan ist generell für alle Flüge von und nach Polen aufzugeben. Diese können sowohl bei der DFS als auch beim polnischen AIS aufgegeben werden. Weiterhin müssen Grenzüberflugspunkte im Flugplan angegeben und beim Flug eingehalten werden. In unserem Falle war der Punkt ARSAP perfekt, da dieser fast auf genau unserer Strecke lag. In Polen gibt es zudem auch viele Danger Areas und Military Flight Routes, welche UNBEDINGT bei der Flugplanung beachtet werden müssen. Unsere Route sollte also von Schönhagen in Richtung Osten, vorbei an Eisenhüttenstadt, über den Punkt ARSAP direkt zum Pflichtmeldepunkt „W“ der Poznan-CTR führen.
Nach dem Aufgeben der Flugpläne für Hin- UND Rückflug am Morgen kurz vor der Abfahrt, ging es dann sogleich auf zum Flugplatz.

 

Die Durchführung

Der Start lief problemlos, auch der erste Flugplan war angekommen (Dass dies nicht selbstverständlich ist, wird uns später klar werden) und wurde durch die diensthabende Flugleiterin geöffnet. Wir wechselten anschließend auf die FIS-Frequenz von Bremen Information und wurden über dem Punkt ARSAP an die zuständige polnische Fluginformationsstelle „Poznan Information“ übergeben. Auch dort verlief alles reibungslos. „No reported traffic in uncontrolled airspace.“ Unser Routing führte uns von ARSAP direkt zum Pflichtmeldepunkt „W“ der Poznan-CTR.
Kurzzeitig kam es ein paar Mal zu Unklarheiten, da uns der Lotse mit Sinkflugempfehlungen direkt in militärische Übungsstrecken und aktive TMAs reindirigierte.
Für den Anflug nutzten wir die im AIP veröffentlichten Karten, sowie zusätzlich das Tool SkyDemon auf dem Tablet. Alles lief ohne Probleme und am Boden erwartet einen bereits ein Follow Me, um zur richtigen Abstellposition geleitet zu werden.

 

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Die Dame im Büro des GAT, welche uns die Gebühren berechnete, war der englischen Sprache nicht wirklich mächtig. Die Gebühren für eine C172, MTOW 1111 kg, bei einer Abstellzeit von ca. 3 h beliefen sich insgesamt auf umgerechnet ca. 50 € und liegen damit so, wie es von uns vorher kalkuliert und für die Platzgröße für angemessen empfunden worden war.
Auch die Mitarbeiterinnen der Grenzpolizei taten sich recht schwer in der Kommunikation mit internationaler Kundschaft. Die Sicherheitskontrollen selbst wurden allerdings sehr penibel und in einem extrem harschen Tonfall (soweit verständlich) durchgeführt. Jedoch führte die Tatsache, dass weder Ausweis noch Lizenz kontrolliert wurden, die gesamte Aktion vollständig ad absurdum.

 

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Der Rückflug begann nicht wie erhofft. Die Flugberatungsstelle von Warschau hatte unseren Flugplan nicht bearbeitet und der Tower in Poznan erteilte uns ohne Flugplan keine Rollfreigabe. Wir telefonierten immer wieder sowohl mit dem AIS der DFS als auch mit der polnischen AIS-Stelle (auch hier mit Sprachproblemen). Während man sich in Frankfurt redlich bemühte und innerhalb kürzester Zeit den Flugplan mehrfach erneut sendete, erklärte uns der polnische FIS stur, dass wir unsere EOBT auf eine Stunde in der Zukunft zu legen hätten. Nach einigem Hin und Her und knapp eine halbe Stunde mit laufendem Motor später, ließ uns der überaus freundliche Towerlotse auf seine eigene Verantwortung fliegen. Ob in der Zwischenzeit ein Flugplan vorlag, ist uns bis heute nicht bekannt. Fakt ist jedoch, dass der Rückflug (nach den genannten anfänglichen Schwierigkeiten) ohne weitere Probleme ablief und wir ca. 1:20 h später wieder sicher in Schönhagen aufsetzten.

 

Fazit

Das Fliegen nach Polen ist eine gelungene Abwechslung zum gewohnten Fliegen zwischen deutschen Plätzen. Die Vorbereitung für einen Flug nach Polen sollte gewissenhaft und gründlich durchgeführt werden. Vor allem zu beachten sind die vielen Militärübungsstrecken und Danger/Restricted Areas. Man muss darauf achten, dass selbst verhältnismäßig große Plätze (Zielona Gora z.B.) nicht immer besetzt sind. Ein Flugplan ist für Flüge über die deutsch-polnische Grenze unter Beachtung der entsprechenden Überflugpunkte stets aufzugeben. Die polnischen Lotsen wirkten professionell und verstanden auch alle Englisch. Lediglich die Flugberatungsstelle, welche die Flugpläne bearbeitet, wirkte sehr unbeholfen und arbeitete auch nicht wirklich zielorientiert. Auch Berichte von anderen Piloten sagen uns, dass man nicht mit allzu großer Flexibilität rechnen kann.
Trotz dieser Ungereimtheiten ist ein Ausflug nach Polen nur zu empfehlen - wir werden es definitiv wieder tun!

 

Autor: Philipp Jander




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