Es muss nicht immer ein Airbus- oder Boeing-Cockpit sein, um einen interessanten und anspruchsvollen Arbeitsplatz zu haben. Eine gute Alternative zur Verkehrsfliegerei bietet die Geschäftsluftfahrt, mit der wir uns in diesem Beitrag befassen.

 

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Guido Warnecke ist schon seit über zehn Jahren in der Geschäftsfliegerei tätig und ermöglicht uns mit sehr spannendem Bild- und Videomaterial tiefe Einblicke in seinen Berufsalltag. Insbesondere die Videos haben es in sich. Er hat sich die Zeit genommen, uns ein paar Fragen zu sich und seiner Tätigkeit zu beantworten. Wir danken recht herzlich für die vielen Informationen und Materialien.

 

Wie bist Du zur Fliegerei gekommen?

Die Fliegerei war schon immer eine Passion von mir aber erst 2003 habe ich sie zum Beruf gemacht. Ich bin Bergbau-Ingenieur und habe viele Jahre für internationale Firmen gearbeitet. 1993 habe ich meine PPL in Saskatoon, Canada gemacht, später dann IFR und bin ca. 1.000h als Privatpilot geflogen (das hat jede Menge Geld gekostet...). 2002 habe ich einen Job bei einem Bergbau-Zulieferer in Johannesburg, Südafrika begonnen. Beruflich war ich dort oft mit einer C210 unterwegs, um Kunden zu besuchen und 2003 habe ich dann sogar einen Flug in der C210 von Johannesburg nach Berlin-Tempelhof gemacht - nur so "zum Spaß". Schließlich wollte ich mehr vom "Fliegen". Ich habe spontan meinen Job gekündigt und mich in das große Abenteuer "Fliegerei" gestürzt. Rückblickend klingt das alles spannend, aber es war nicht immer einfach. Im Schnelldurchgang habe ich meine CPL absolviert mit IFR/multi-engine rating, was in Südafrika ähnlich schwer und kompliziert ist wie in Deutschland. Die Idee war es eine Charter-Fluggesellschaft aufzumachen, vor allem für die Bergbau-Industrie im südlichen Afrika. Mit viel harter Arbeit hat das auch gut funktioniert, erst mit der Cessna 210, dann Beechcaft Baron, Cessna 414/421 und schließlich auf der Gulfstream I, einer alten aber sehr leistungsfähigen Turboprop-Maschine mit 36,00lb Gewicht.

Meine Frau hat dann ein Jobangebot in den USA nahe New York bekommen. Also ging das alles wieder von vorne los, neue Lizenzen erwerben und sich in dem Land einleben und im Business etablieren.
Ich arbeite nun für CFM Corporate Flight Management als Pilot, bin aber auch der Manager unserer Niederlassung hier in Danbury. Ich fliege als Captain eine King Air 100 und einen Citation V Business jet. Zum Training gehen wir zu CAE Simuflite in einem hochmoderen Simulator. Hoffentlich sehe ich die Notfälle, die wir dort trainieren nie im richtigen Flugzeug. Im Moment halte ich eine kanadische, US-amerikanische und südafrikanische ATPL gültig.
Ich habe ein type-rating für die Citation CJ-Reihe, die Citation CE560, Die Gulfstream G159 und Gulfstream GLF2.

 

Wolltest Du immer in der Geschäftsluftfahrt tätig sein?

Die Business-Fliegerei finde ich interessanter (Das sage ich, ohne je für die Airlines geflogen zu sein.). Jeder Flug ist anders; wir fliegen hunderte verschiedene Flugplätze an (Ich habe bei 600 aufgehört zu zählen.) und man ist mit allen Aspekten der Flugplanung beschäftigt. Auch der Kontakt mit den Kunden ist sehr interessant. Wir fliegen Flugzeugeigentümer, aber auch normale Charterkunden, die sich $3,000 pro Stunde für einen Jet leisten können.

 

Wie sieht Dein Arbeitsalltag aus?

Alles ist kurzfristig geplant; der Dienstplan ändert sich täglich, das liegt ja auch in der Natur des Geschäfts. Unsere Kunden brauchen Flexibilität. Gestern hatten wir kurzfristig einen Flug in der Citation V nach Florida und zurück, das ist ein langer Tag.

 

Was empfindest Du als Vorteil/Nachteil an deinem Job?

Die Arbeitszeiten sind lang und der Einfluss auf das Privatleben ist halt immer da. Das ist wohl für alle das Gleiche, wenn man im Service-Business arbeitet muss man halt auch an den Wochenenden ran - das kennt jeder, der im Hotel, Krankenhaus etc. arbeitet. Am Ende ist es ein Service-Job, den wir hier machen.

 

Wo fliegst Du am liebsten?

Afrika ist immer noch mein Favorit, allerdings ist nur das “Fliegen” dort schön. Alles am Boden ist extrem bürokratisch und kompliziert. Die USA sind das Paradies der Geschäftsfliegerei, die Infrastruktur ist einzigartig. Bis jetzt bin ich in 40 verschiedenen Ländern geflogen. Leider viel zu selten fliege ich “zum Spaß”, gerade im November waren wir wieder in Südafrika im Urlaub und haben eine Flugsafari gemacht.

 

Was braucht man, um Pilot zu werden?

Am Wichtigsten ist die Begeisterung für die Fliegerei! Ohne die geht es nicht. Der Weg ins Cockpit ist hart und langwierig. Auch mit vielen tausend Stunden hat man von irgendetwas immer “zu wenig”: zu wenig Stunden im Flugzeugtyp etc. Man muss sich ständig fortbilden, das hält fit. Und man muss sehr verantwortungsbewusst und selbstkritisch sein. Ein Pilot trägt eine enorme Verantwortung und Fehler können schnell zu einer Katastrophe führen.

 

Vielen Dank für die Zeit, die du dir für uns genommen hast. Nun folgen einige Cockpitvideos. Weitere spannende Filme gibt es auf seinem YouTube-Channel. Wir wünschen viel Spaß beim Anschauen.

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